Projekt Gemeindeentwicklung von Isny-Großholzleute mit vorheriger Bürgerbefragung

Der FDP-Ortsverband „Württembergisches Allgäu“ hat das Ziel, vermehrt die politische Arbeit den Lebensbedingungen in ländlichen Gemeinden und Ortsteilen zu widmen. Dies ist ein Schwerpunkt des FDP-Bundestagswahlprogramms und war Thema bei der zurückliegenden Landtagswahl.

Das Dorfgemeinschaftshaus in Großholzleute.
Das Dorfgemeinschaftshaus in Großholzleute. In einem Anbau könnte nicht nur ein Forstbetrieb untergebracht werden, sondern auch ein Dorfladen oder gar ein KOMM-IN-Center.

Als Modellgemeinde hat der FDP-Ortsverband Großholzleute ausgewählt, einem historisch bedeutsamen Ortsteil von Isny, der aber in vielerlei Hinsicht problembelastet ist. Dazu hat die FDP mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern eine Informationsveranstaltung im Gasthof „Adler“ in Großholzleute durchgeführt.

Großholzleute mit seinen auf einen kompakten Ortskern, diverse Weiler und Wohnplätze verteilten 1.400 Einwohnern, verfügt über keinen Bäcker, Metzger, Wochenmarkt oder eine mobile Versorgung mit lebenswichtigen Gütern, hat weder Poststelle noch Kreditinstitut (Geldautomat) und keinen Arzt vor Ort. Es gibt weder eine Grundschule noch einen Kindergarten.

Alle notwendigen Einrichtungen befinden sich in der Kernstadt Isny, 5 km entfernt. Aus der Erfahrung diagnostiziert der Seniorenbeauftragte im FDP-Ortsverband, dass besonders die ältere, weniger mobile ältere Generation die Situation als belastend empfindet und Veränderungen wünscht. Die Vertreter der Jungen Liberalen schließen sich ausdrücklich für die Belange der Kinder und Jugendlichen dieser Feststellung an.

Der FDP-Ortsverband, dessen Arbeitsteam sich aus Alexander Ort, Sebastian Scherer, Frank Scharr und Dr. Michael Büssemaker zusammensetzt, möchte mit Umsicht und in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Bürgerinnen und Bürgern, der Verwaltung sowie dem Ortsvorsteher Bewegung in das örtliche Geschehen bringen.

Sebastian Scherer, Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes: „Ziel ist es, die Lebensbedingungen, gerade im vielfältigen Versorgungsbereich zu verbessern. Dazu bedarf es Kreativität, der Einbeziehung aller örtlichen Kräfte und eines langen Atems“.

Als Grundlage des Projektes wurden erste, nicht repräsentative Bürgergespräche geführt und der Ortsteil mit seinem landwirtschaftlich strukturierten Umfeld mehrfach begangen und bewertet. Die Vorstellungen des FDP-Ortsverbandes für Großholzleute basieren auf vier Schritten:

■           Ausarbeitung eines Entwicklungskonzeptes für Großholzleute, in das die Ortsbevölkerung von Anfang an eingebunden wird. Dies wird verbunden mit der Aussageerwartung, wo der Ortsteil in 15 Jahren stehen soll und wie die bestehenden Versorgungsmängel aufzufangen sind.

■   Maßnahmen als Übergangslösungen, wie stundenweise Präsenz eines mobilen Service für Fleisch- und Backwaren; Warenautomat; Aufbau eines Netzwerks für Nachbarschaftshilfe.

■           Erarbeitung eines städtebaulichen Konzepts, um durch Baulückenschließung bzw. die Ausweisung neuer Bauplätze die Einwohnerzahl von Großholzleute signifikant zu erhöhen. Damit soll Großholzleute (wieder) attraktiv für die Grundversorgung und weitere soziale Angebote vor Ort gemacht werden. Dieser Punkt käme auch den in Isny ansässigen Unternehmen zugute, die händeringend Wohnmöglichkeiten für ihre Beschäftigten suchen.

■           Standort- und Betreibersuche für ein KOMM-IN-Center  mit folgenden Einrichtungen: Dorfladen mit erweitertem Angebot von Fleisch- und Backwaren; Poststelle mit Paketstation und Wäscheannahme; Bankautomaten; Tauschbörse für Bücher; Informationstafel für örtliche Gegebenheiten; Erster-Hilfe-Raum, gleichzeitig als Raum für stundenweise ärztliche Sprechstunden; Raum für soziale Beratung vor Ort, insbesondere für Senioren und Jugendliche uvm.

Alexander Ort, mittelständischer Unternehmer mit Wohnsitz in Isny, Mitglied der FDP und des Teams: „Unsere Vorschläge lassen sich erst dann umsetzen, wenn diese auch von der Bevölkerung mitgetragen werden. Deshalb hat die örtliche FDP einen Erhebungsbogen vorbereitet“.

Dr. Michael Büssemaker, Seniorenbeauftragter des FDP-Ortsverbandes und Initiator der Aktion: „Das von uns vorgeschlagene KOMM-IN-Center erfordert zwei Voraussetzungen: Es bedarf eines Betreibers und einer geeigneten Immobilie“. Der Standort wurde kontrovers diskutiert. Der Inhaber des Gasthofs „Adler“ erklärte sich spontan bereit, in seiner Immobilie Untersuchungen durchführen zu lassen. Alternativ wurde auch eine Erweiterung des Dorfgemeinschaftshauses diskutiert.

Ortsdurchfahrt B12 in Großholzleute. Die Bundesstraße zerschneidet den Ortskern.

Die Informationsveranstaltung wurde auch geprägt durch Beschwerden über die Bundesstraße 12. Allgemeiner Tenor: „Eine echte bauliche Verdichtung mit mehr Einwohnern wird es erst dann geben, wenn die Ortsumgehung steht“. Der nächste Schritt des FDP-Ortsverbandes ist die Bürgerbefragung. Sollte sich das Gesamtprojekt konkretisieren, wird eine offene Diskussion mit dem Ortschaftsrat angestrebt.