Presseinformation der FDP Württembergisches Allgäu vom 12.12.2021

FDP-Ortsverband Württembergisches Allgäu nimmt Stellung zur aktuellen Diskussion um die Zukunftsstrategie der OSK und macht eigene Vorschläge.

Die Diskussion um die zukünftige Strategie der OSK-Krankenhäuser hat mit dem Auftritt des Sozialministers Lucha einen neuen Höhepunkt erreicht. In ungewöhnlich klarer Art und Weise sowie drastischen Worten hat er die aktuelle Situation der OSK Krankenhäuser in Ravensburg, Wangen und Bad Waldsee skizziert. Darüber hinaus hat er mit seinem Plan der Verschmelzung der OSK mit den Krankenhäusern im Bodenseekreis (BSC) ein weiteres großes Fass ausgemacht. Grund genug für die FDP in Wangen und dem Württembergischen Allgäu, eine klare Position zu beziehen.

Einer Fusion von OSK und BSC zum jetzigen Zeitpunkt erteilen wir eine klare Absage. Allerdings sieht auch die FDP die Möglichkeit, dass die beiden Krankenhausbetreiber zukünftig in einigen Bereichen enger zusammenarbeiten und so die Effizienz steigern und Kosten senken können. Allerdings bestehen hier aus der Vergangenheit noch hohe emotionale Hürden, die es gilt, sachgerecht und auf Augenhöhe zu beseitigen.

Die Hau-Ruck-Methode von Sozialminister Lucha ist in Zeiten von Corona und der neuen Ampel-Gesundheitsstrategie für die ländlichen Regionen sowie einer zu Recht vollkommen verunsicherten Belegschaft in allen Krankenhäusern für eine sach- und fachgerechte Veränderungsstrategie ungeeignet.

Die wirtschaftliche Entwicklung der OSK ist in der Tat besorgniserregend und darf auf keinen Fall fortgeschrieben werden. Die kleinstmöglichen Veränderungsschritte der vergangenen Jahre müssen beendet und durch eine langfristige Krankenhaus-Versorgungsstrategie abgelöst werden. Dabei darf es keine Tabus aber auch keine einseitigen, rein betriebswirtschaftlich getriebene Entscheidungen geben. Die optimale Versorgung und das Wohl der Patientinnen und Patienten im Landkreis stehen an erster Stelle.

Gleich danach kommt die Fürsorge für die Beschäftigten der OSK. Sie dürfen nicht zu Schachfiguren degradiert werden, die eine Geschäftsführung beliebig auf dem Schachbrett der Strategie verschieben kann. Sie sind das Fundament für die Qualität der Krankenhäuser. Ihnen gilt unsere besondere Aufmerksamkeit verbunden mit einem aufrichtigen Dank für die aufopferungsvolle Arbeit, die sie Tag und Nacht erbringen.

In mehreren Vorstandssitzungen wurden die aktuelle Aufgabenverteilung in der OSK-Gruppe sowie die Defizit- und Ertragsquellen der OSK eingehend analysiert und ein eigenes Versorgungskonzept entwickelt.

Die OSK mit den Gesellschaftern Kreis Ravensburg (99,5%) und Stadt Ravensburg (0,5%) hat zwar die Hoheit über die Strategieentwicklung für die drei Standorte, doch sitzt die Grün-Schwarze Landesregierung mit der Finanzierungshoheit für eventuelle Neubauten am stärkeren Hebel. Damit kann jede unliebsame Strategieentwicklung zum Scheitern gebracht werden. Hierzu hat Sozialminister Lucha bereits klar Stellung genommen und für Bad Waldsee keinerlei Finanzierungsperspektive in Aussicht gestellt.

Auch für Wangen sind bisher keine Anzeichen zu erkennen, die die Finanzierung des notwendigen Neubaus ohne Veränderung der Organisationsstruktur erwarten lassen. Da für die Realisierung eines Neubaus aber eine jahrelange Planung zu erwarten ist, muss jetzt gehandelt werden.

Die FDP begleitet daher die Überlegungen der OSK mit kritisch-konstruktiver Distanz und hat eigene Vorstellungen für das Klinikum Westallgäu (KW) entwickelt. Diese sind in Schlagworten:

Fortbestand des KW als Akutkrankenhaus

Zur sinnvollen Fortführung bedarf es einer klaren Aufgabenverteilung zwischen dem Elisabethen-Krankenhaus Ravensburg (EK), dem KW und den Fachkliniken Wangen (FW). Dabei muss der Nahversorgungsauftrag des KW als Akutkrankenhaus zwingend gewährleistet werden. Bestehende Doppelstrukturen müssen abgebaut werden, Spezialisierung gerade in den vielfältigen Disziplinen der planbaren Chirurgie ist zwingend angesagt. Zum Fundament des KW gehören für die FDP

  • eine Basisnotfallversorg mit Notaufnahme sowie eine Erstversorgungszentrum.
  • Erhalt der 24-Stunden Anästhesie vor Ort
  • Fortbestand der Intensivabteilung im Haus mit mindestens 6 Betten, davon mindestens 3 mit Beatmung. Weitere Intensivkapazitäten können gemeinsam mit der FW aufgebaut und betrieben werden. (Während der Pandemie besteht ein deutlich höherer Bedarf)
  • die Bestellung von hauptberuflichen Notärzten für das Westallgäu mit Standort Wangen (Mischstrukturen wie bisher lehnen wir aus Gründen der unbedingten Verfügbarkeit des Notarztes ab)
  • die Fortführung der Abteilung Geburtshilfe evtl. auch als Geburtshaus mit der Einbeziehung der regionalen, freien Hebammen

Weitere Aufgaben des KW

  • Aufbau eines Fachklinikums für operative Orthopädie
  • Planbare chirurgische Eingriffe mit einer Kurzliegedauer wie z.B. Leistenbruch, Schilddrüse, Gallenblase u.ä. werden aus der OSK schwerpunktmäßig in Wangen durchgeführt.

Bisherige, zur Übertragung an das EK vorgesehene Aufgaben

  • die Gynäkologie,
  • die große Bauch und Tumorchirurgie

Enge Zusammenarbeit der Fachklinik Wangen (FW) mit dem KW.

  • Seit vielen Jahren arbeiten FW und KW eng und vertrauensvoll zusammen. Sie ergänzen sich disziplinär hervorragend und bilden eine starke Achse zum Wohle ihrer Patienten. Dies gilt es auszubauen und gegebenenfalls als Grundlage für ein gemeinsames Neubauprojekt in Wangen zu nutzen.
  • Dass hier ein privater mit einem öffentlichen Krankenhausbetreiber kooperieren soll, sieht die FDP nicht als Hinderungsgrund.

Die FDP ist sich im Klaren, dass der Weg zu einer Neustrukturierung des Krankenhausnetzes im Landkreis Ravensburg lang und steinig sein wird. Doch das darf die Krankenhausträger und das Sozialministerium nicht daran hindern, jetzt und in aller Deutlichkeit abzuwägen und zu entscheiden. Die FDP ist bereit, sich konstruktiv einzubringen.

Zeitungsartikel Schwäbische Zeitung, Ausgabe Wangen vom 15.12.2021 - Stellungnahme der FDP zum Krankenhaus Wangen
Zeitungsartikel Schwäbische Zeitung, Ausgabe Wangen vom 15.12.2021 – Stellungnahme der FDP zum Krankenhaus Wangen